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Gottfried August Bürger

Amors Pfeil

Amors Pfeil hat Widerspizen. Wen er traf, der lass’ ihn sizen, Und erduld’ ein wenig Schmerz! Welcher meinen Rath verachtet, Und ihn auszureissen trachtet, Der zerfleischet ganz sein Herz.

Gottfried August Bürger

Sinnesänderung

Ich war wohl Jungfer Eigensinn, Durch Güte kaum zu zähmen; Und sträubte mich oft her und hin, Zu geben und zu nehmen. Der Himmel weiß es, wie es kam, Daß ich so ungern gab und nahm. Da kam ein junger Flaumenbart, Schön wie der Gott der Reben. Der wußte mit der besten Art Zu nehmen und zu geben. Da weiß … Weiterlesen …

Eduard Mörike

An die Geliebte

Wenn ich, von deinem Anschaun tief gestillt, Mich stumm an deinem heilgen Wert vergnüge, dann hör ich recht die leisen Atemzüge Des Engels, welcher sich in dir verhüllt. Und ein erstaunt, ein fragend Lächeln quillt Auf meinen Mund, ob mich kein Traum betrüge, Daß nun in dir, zu ewiger Genüge, Mein kühnster Wunsch, mein einzger, sich erfüllt? Von Tiefe dann … Weiterlesen …

Friedrich Schiller

Der Jüngling am Bache

An der Quelle saß der Knabe, Blumen wand er sich zum Kranz, Und er sah sie fortgerissen, Treiben in der Wellen Tanz. Und so fliehen meine Tage, Wie die Quelle, rastlos hin! Und so bleichet meine Jugend, Wie die Kränze schnell verblühn! Fraget nicht, warum ich traure In des Lebens Blüthezeit! Alles freuet sich und hoffet, Wenn der Frühling sich … Weiterlesen …

Friedrich Schiller

Die zwei Tugendwege

Zwei sind der Wege, auf welchen der Mensch zur Tugend emporstrebt: Schließt sich der eine dir zu, thut sich der andre dir auf. Handelnd erringt der Glückliche sie, der Leidende duldend. Wohl ihm, den sein Geschick liebend auf beiden geführt!

Theodor Fontane

Das Glück

Nicht Glückes bar sind deine Lenze, du forderst nur des Glücks zuviel; gib deinem Wunsche Maß und Grenze, und dir entgegen kommt das Ziel. Wie dumpfes Unkraut lass‘ vermodern, was in dir noch des Glaubens ist: du hättest doppelt einzufordern des Lebens Glück, weil du es bist. Das Glück, kein Reiter wird’s erjagen, es ist nicht dort, es ist nicht … Weiterlesen …

Theodor Fontane

Verse zum Advent

Noch ist Herbst nicht ganz entflohn, Aber als Knecht Ruprecht schon Kommt der Winter hergeschritten, Und alsbald aus Schnees Mitten Klingt des Schlittenglöckleins Ton. Und was jüngst noch, fern und nah, Bunt auf uns herniedersah, Weiß sind Türme, Dächer, Zweige, Und das Jahr geht auf die Neige, Und das schönste Fest ist da. Tag du der Geburt des Herrn, Heute … Weiterlesen …

Friedrich Schiller

Der Handschuh

Vor seinem Löwengarten, Das Kampfspiel zu erwarten, Saß König Franz, Und um ihn die Großen der Krone, Und rings auf hohem Balkone Die Damen in schönem Kranz. Und wie er winkt mit dem Finger, Auf tut sich der weite Zwinger, Und hinein mit bedächtigem Schritt Ein Löwe tritt Und sieht sich stumm Rings um, Mit langem Gähnen, Und schüttelt die … Weiterlesen …

Clemens Brentano

Der Mensch ist frei

Der Mensch ist frei Er kann sein Teil sich wählen Er kann begeistert sein Er kann die Sterne zählen, Die mit des Lichtes Schein Den ewgen Willen Gottes ihm vermählen, Der Mensch ist frei, Wo herrlich eine Flamme Des Schöpfers glüht, Ob sie vom Schwerte stamme Ob aus dem Ölzweig blüht, Da stürzt der Geist Wie Meerflut aus dem Damme, … Weiterlesen …

Hermann Kletke

Am Weihnachtsbaum die Lichter brennen

Am Weihnachtsbaum die Lichter brennen, wie glänzt er festlich, lieb und mild, als spräch‘ er: »Wollt in mir erkennen getreuer Hoffnung stilles Bild!« Die Kinder stehn mit hellen Blicken, das Auge lacht, es lacht das Herz, o fröhlich seliges Entzücken! Die Alten schauen himmelwärts. Zwei Engel sind hereingetreten, kein Auge hat sie kommen seh’n, sie gehn zum Weihnachtstisch und beten, … Weiterlesen …