Theodor Fontane

Das Glück

Nicht Glückes bar sind deine Lenze,

du forderst nur des Glücks zuviel;

gib deinem Wunsche Maß und Grenze,

und dir entgegen kommt das Ziel.

Wie dumpfes Unkraut lass‘ vermodern,

was in dir noch des Glaubens ist:

du hättest doppelt einzufordern

des Lebens Glück, weil du es bist.

Das Glück, kein Reiter wird’s erjagen,

es ist nicht dort, es ist nicht hier;

lern überwinden, lern entsagen,

und ungeahnt erblüht es dir.

Du fragst: ob mir in dieser Welt

überhaupt noch was gefällt?

Du fragst es und lächelst spöttisch dabei.

Lieber Freund, mir gefällt noch allerlei:

Jedes Frühjahr das erste Tiergartengrün,

oder wenn in Werder die Kirschen blühn,

zu Pfingsten Kalmus und Birkenreiser,

der alte Moltke, der alte Kaiser,

und dann zu Pferde eine Stunde später,

mit dem gelben Streifen der „Halberstädter“;

Kuckucksrufen, im Wald ein Reh,

ein Spaziergang durch die Lästerallee,

Paraden, der Schapersche Goethekopf

Und ein Backfisch mit einem Mozartzopf.

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