Friedrich Schiller

Elegie

   Auf dem ebenen Strom gleiten die Flöße dahin.

Vielfach ertönt der Herden Geläut im belebten Gefilde,

   Und den Widerhall weckt einsam des Hirten Gesang.

Muntre Dörfer bekränzen den Strom, in Gebüschen verschwinden

   Andre, vom Rücken des Bergs stürzen sie gäh dort herab.

Nachbarlich wohnet der Mensch noch mit dem Acker zusammen,

   Seine Felder umruhn friedlich sein ländliches Dach,

Traulich rankt sich der Weinstock empor an dem niedrigen Fenster,

   Einen umarmenden Zweig schlingt um die Hütte der Baum.

Glückliches Volk der Gefilde! Noch nicht zur Freiheit erwachet,

   Teilst du mit deiner Flur fröhlich das enge Gesetz.

Deine Wünsche beschränkt der Ernten ruhiger Kreislauf,

Gleich, wie dein Tagewerk, windet dein Leben sich ab:

Aber wer raubt mir auf einmal den lieblichen Anblick? Ein fremder

   Geist verbreitet sich schnell über die fremdere Flur!

Spröde sondert sich ab, was kaum noch liebend sich mischte,

   Und das Gleiche nur ist’s, was an das Gleiche sich reiht.

Stände seh ich gebildet, der Pappeln stolze Geschlechter

   Ziehn in geordnetem Pomp vornehm und prächtig daher.

Unbemerkt entflieht dem Blick die einzelne Staude,

Leiht nur dem Ganzen, empfängt nur von dem Ganzen den Reiz.

Regel wird alles, und alles wird Wahl und alles Bedeutung,

   Dieses Dienergefolg meldet den Herrscher mir an.

Prangend verkündigen ihn von fern die beleuchteten Kuppeln,

   Aus dem felsigten Kern hebt sich die türmende Stadt.

In die Wildnis hinaus sind des Waldes Faunen verstoßen,

   Aber die Andacht leiht höheres Leben dem Stein.

Näher gerückt ist der Mensch an den Menschen. Enger wird um ihn,

   Reger erwacht, es umwälzt rascher sich in ihm die Welt.

Sieh, da entbrennen in feurigem Kampf die eifernden Kräfte,

   Großes wirket ihr Streit, Größeres wirket ihr Bund.

Tausend Hände belebt Ein Geist, in tausend Brüsten

Schlägt, von Einem Gefühl glühend, ein einziges Herz,

Schlägt für das Vaterland und glüht für der Ahnen Gesetze,

   Hier auf dem teuren Grund ruht ihr verehrtes Gebein.

Nieder steigen vom Himmel die seligen Götter und nehmen

   In dem geweihten Bezirk festliche Wohnungen ein,

Herrliche Gaben bescherend erscheinen sie; Ceres vor allen

   Bringet des Pfluges Geschenk, Hermes den Anker herbei,

Bacchus die Traube, Minerva des Ölbaums grünende Reiser,

   Auch das kriegrische Roß führet Poseidon heran,

Mutter Cybele spannt an des Wagens Deichsel die Löwen,

   In das gastliche Tor zieht sie als Bürgerin ein.

Heilige Steine! Aus euch ergossen sich Pflanzer der Menschheit,

   Fernen Inseln des Meers sandtet ihr Sitten und Kunst,

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