Theodor Storm

Immensee

Der Alte

Der Mond schien nicht mehr in die Fensterscheiben, es war dunkel geworden; der Alte aber saß noch immer mit gefalteten Händen in seinem Lehnstuhl und blickte vor sich hin in den Raum des Zimmers. Allmählich verzog sich vor seinen Augen die schwarze Dämmerung um ihn her zu einem breiten, dunkeln See; ein schwarzes Gewässer legte sich hinter das andere, immer tiefer und ferner, und auf dem letzten, so fern, daß die Augen des Alten sie kaum erreichten, schwamm einsam zwischen breiten Blättern eine weiße Wasserlilie.

Die Stubentür ging auf, und ein heller Lichtstrahl fiel ins Zimmer. „Es ist gut, daß Sie kommen, Brigitte“, sagte der Alte. „Stellen Sie das Licht nur auf den Tisch.“

Dann rückte er auch den Stuhl zum Tische, nahm eins der aufgeschlagenen Bücher und vertiefte sich in Studien, an denen er einst die Kraft seiner Jugend geübt hatte.

3 Gedanken zu “Immensee

  1. Lieber „Der der das sinnlos findet….“
    Es gibt Rahmen- und Binnenhandlungen. Der Alte kommt von einem Spaziergang nach Hause (Rahmenhandlung) und erinnert sich an seine Jugend (Binnenhandlung) und was darin passiert.
    Storms Texte sind bekannt für seine Knappheit. Man muss nicht nur lesen, sondern denken, um den Kontext zu verstehen. Das war seine Anforderung an den Leser.
    Mein Rat: Lies zwischen den Zeilen, oder eine Interpretation. Du wirst sehen, wie kunstvoll diese Novelle ist und das es sich gelohnt hat, sie zu lesen.

  2. Überst sinnlos die meisten Teile der erste Teil passt nicht.
    Im ersten Teil ist er alt und danach irgendwie ein Kind….

  3. Ich bin jetzt 72 Jahre und habe diese Novelle schon hundertmal gelesen. Mit dreizehn Jahren haben meine Eltern mir das Buch „Ein Blatt aus sommerlichen Tagen“ von Theodor Storm geschenkt. Die Novelle „Immensee“ in diesem Buch hat mich unheimlich bewegt. Sie wurde meine Lieblingsnovelle bis heute.

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