Theodor Storm

Knecht Ruprecht

Von drauß’ vom Walde komm ich her, ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr! Allüberall auf den Tannenspitzen sah ich goldene Lichtlein sitzen; und droben aus dem Himmelstor sah mit großen Augen das Christkind hervor; und wie ich so strolcht durch den finstern Tann, da riefs mich mit heller Stimme an: »Knecht Ruprecht«, rief es, »alter Gesell, hebe die Beine … Weiterlesen …

Theodor Storm

Aus der Marsch

Der Ochse frißt das feine Gras Und läßt die groben Halme stehen; Der Bauer schreitet hintendrein Und fängt bedächtig an zu mähen. Und auf dem Stall zur Winterszeit, Wie wacker steht der Ochs zu kauen! Was er als grünes Gras verschmäht, Das muß er nun als Heu verdauen.

Theodor Storm

Immensee

Der Alte An einem Spätherbstnachmittage ging ein alter, wohlgekleideter Mann langsam die Straße hinab. Er schien von einem Spaziergang nach Hause zurückzukehren; denn seine Schnallenschuhe, die einer vorübergegangenen Mode angehörten, waren bestäubt. Den langen Rohrstock mit goldenem Knopf trug er unter dem Arm; mit seinen dunkeln Augen, in welche sich die ganze verlorene Jugend gerettet zu haben schien und welche … Weiterlesen …