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Annette von Droste-Hülshoff

Die rechte Stunde

Im heitren Saal beim Kerzenlicht, Wenn alle Lippen sprühen Funken, Und gar vom Sonnenscheine trunken, Wenn jeder Finger Blumen bricht, Und vollends an geliebtem Munde, Wenn die Natur in Flammen schwimmt, – Das ist sie nicht die rechte Stunde, Die dir der Genius bestimmt. Doch wenn so Tag als Lust versank, Dann wirst du schon ein Plätzchen wissen, Vielleicht in … Weiterlesen …

Annette von Droste-Hülshoff

Der Teetisch

Leugnen willst du Zaubertränke, Lachst mir höhnisch in die Zähne, Wenn Isoldens ich gedenke, Wenn Gudrunens ich erwähne? Und was deine kluge Amme In der Dämmrung dir vertraute, Von Schneewittchen und der Flamme, Die den Hexenschwaden braute; Alles will dir nicht genügen, Überweiser Mückensieber? Nun, so laß die Feder liegen, Schieb dich in den Zirkel, Lieber, Wo des zopfigen Chinesen … Weiterlesen …

Annette von Droste-Hülshoff

Die Schwestern

I. Sacht pochet der Käfer im morschen Schrein, Der Mond steht über den Fichten. »Jesus Maria, wo mag sie sein! Hin will meine Angst mich richten. Helene, Helene, was ließ ich dich gehn Allein zur Stadt mit den Hunden, Du armes Kind, das sterbend mir Auf die Seele die Mutter gebunden!« Und wieder rennt Gertrude den Weg Hinauf bis über … Weiterlesen …

Annette von Droste-Hülshoff

Abschied von der Jugend

Wie der zitternde Verbannte Steht an seiner Heimat Grenzen, Rückwärts er das Antlitz wendet, Rückwärts seine Augen glänzen, Winde die hinüberstreichen, Vögel in der Luft beneidet, Schaudernd vor der kleinen Scholle, Die das Land vom Lande scheidet; Wie die Gräber seiner Toten, Seine Lebenden, die süßen, Alle stehn am Horizonte, Und er muß sie weinend grüßen; Alle kleinen Liebesschätze, Unerkannt … Weiterlesen …

Annette von Droste-Hülshoff

Die Judenbuche

Ein Sittengemälde aus dem gebirgichten Westfalen Wo ist die Hand so zart, daß ohne Irren Sie sondern mag beschränkten Hirnes Wirren, So fest, daß ohne Zittern sie den Stein Mag schleudern auf ein arm verkümmert Sein? Wer wagt es, eitlen Blutes Drang zu messen, Zu wägen jedes Wort, das unvergessen In junge Brust die zähen Wurzeln trieb, Des Vorurteils geheimen … Weiterlesen …

Annette von Droste-Hülshoff

Geplagt

Weh dem Knaben, der zwei Herrinnen hat! Verloren ist er, verloren! Ruft die Stimme und ruft sie dort: »Komm, binde mir die Sandalen! Gib‘ den Schleier! — Nun eile fort, Vom Markte Narde zu holen!« Durch die Menge irrt er umher Wie ein armer verscheuchter Vogel, Wie ein armes zerrißnes Gewand, Geflickt von tausend Händen. Wehe dem Knaben, der zwei … Weiterlesen …

Annette von Droste-Hülshoff

Am Turme

Ich steh‘ auf hohem Balkone am Turm, umstrichen vom schreienden Stare, und lass‘ gleich einer Mänade den Sturm mir wühlen im flatternden Haare; o wilder Geselle, o toller Fant, ich möchte dich kräftig umschlingen, und, Sehne an Sehne, zwei Schritte vom Rand auf Tod und Leben dann ringen! Und drunten seh‘ ich am Strand, so frisch wie spielende Doggen, die … Weiterlesen …