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Johann Wolfgang von Goethe

Iphigenie auf Tauris

Vierter Auftritt

Orest, gewaffnet. Die Vorigen.

Orest nach der Szene gekehrt:
Verdoppelt eure Kräfte! Haltet sie
Zurück! Nur wenig Augenblicke! Weicht
Der Menge nicht und deckt den Weg zum Schiffe
Mir und der Schwester!
Zu Iphigenien, ohne den König zu sehen:
Komm, wir sind verraten.
Geringer Raum bleibt uns zur Flucht. Geschwind!
Er erblickt den König.

Thoas nach dem Schwerte greifend:
In meiner Gegenwart führt ungestraft
Kein Mann das nackte Schwert.

Iphigenie:
Entheiliget
Der Göttin Wohnung nicht durch Wut und Mord!
Gebietet eurem Volke Stillstand, höret
Die Priesterin, die Schwester!

Orest:
Sage mir!
Wer ist es, der uns droht?

Iphigenie:
Verehr in ihm
Den König, der mein zweiter Vater ward!
Verzeih mir, Bruder! doch mein kindlich Herz
Hat unser ganz Geschick in seine Hand
Gelegt. Gestanden hab ich euern Anschlag
Und meine Seele vom Verrat gerettet.

Orest:
Will er die Rückkehr friedlich uns gewähren?

Iphigenie:
Dein blinkend Schwert verbietet mir die Antwort.

Orest (der das Schwert einsteckt):
So sprich! Du siehst, ich horche deinen Worten.

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