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Friedrich Schiller

Der Spaziergang

Mutter Cybele spannt an des Wagens Deichsel die Löwen,

In das gastliche Tor zieht sie als Bürgerin ein.

Heilige Steine! Aus euch ergossen sich Pflanzer der Menschheit,

Fernen Inseln des Meers sandtet ihr Sitten und Kunst,

Weise sprachen das Recht an diesen geselligen Toren,

Helden stürzten zum Kampf für die Penaten heraus.

Auf den Mauren erschienen, den Säugling im Arme, die Mütter,

Blickten dem Heerzug nach, bis ihn die Ferne verschlang.

Betend stürzten sie dann vor der Götter Altären sich nieder,

Flehten um Ruhm und Sieg, flehten um Rückkehr für euch.

Ehre ward euch und Sieg, doch der Ruhm nur kehrte zurücke,

Eurer Taten Verdienst meldet der rührende Stein:

„Wanderer, kommst du nach Sparta, verkündige dorten, du habest

Uns hier liegen gesehn, wie das Gesetz es befahl.“

Ruhet sanft, ihr Geliebten! Von eurem Blute begossen,

Grünet der Ölbaum, es keimt lustig die köstliche Saat.

Munter entbrennt, des Eigentums froh, das freie Gewerbe,

Aus dem Schilfe des Stroms winket der bläulichte Gott.

Zischend fliegt in den Baum die Axt, es erseufzt die Dryade,

Hoch von des Berges Haupt stürzt sich die donnernde Last.

Aus dem Felsbruch wiegt sich der Stein, vom Hebel beflügelt,

In der Gebirge Schlucht taucht sich der Bergmann hinab.

Mulcibers Amboss tönt von dem Takt geschwungener Hämmer,

Unter der nervigten Faust sprützen die Funken des Stahls.

Glänzend umwindet der goldene Lein die tanzende Spindel,

Durch die Saiten des Garns sauset das webende Schiff.

Fern auf der Reede ruft der Pilot, es warten die Flotten,

Die in der Fremdlinge Land tragen den heimischen Fleiß,

Andre ziehn frohlockend dort ein, mit den Gaben der Ferne,

Hoch von dem ragenden Mast wehet der festliche Kranz.

Siehe, da wimmeln die Märkte, der Kran von fröhlichem Leben,

Seltsamer Sprachen Gewirr braust in das wundernde Ohr.

Auf den Stapel schüttet die Ernten der Erde der Kaufmann,

Was dem glühenden Strahl Afrikas Boden gebiert,

Was Arabien kocht, was die äußerste Thule bereitet,

Hoch mit erfreuendem Gut füllt Amalthea das Horn.

Da gebieret das Glück dem Talente die göttlichen Kinder,

Von der Freiheit gesäugt, wachsen die Künste der Lust.

Mit nachahmendem Leben erfreuet der Bildner die Augen,

Und vom Meißel beseelt, redet der fühlende Stein,

Künstliche Himmel ruhn auf schlanken ionischen Säulen,

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