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Catull

Entschluß

Catullchen! armer Freund, werd endlich klüger,

Und was zusehends hin ist, laß dahin sein!

Wohl ehmals flossen dir die Tage heiter,

Als du noch gingst, wohin das Mädchen winkte,

Geliebt von uns, wie keine je geliebt ward.

Da gab es mancherlei der Tändeleien,

Die dir behagten, ihr nicht mißbehagten.

Da, wahrlich! flossen dir die Tage heiter.

Nun weigert sich das Ding: nun zwing auch du dich;

Verfolge nicht, was läuft, und tu nicht kläglich;

Halt aus, halt eigensinnig aus, sei standhaft!

– Nun, Mädchen, lebe wohl! Catull ist standhaft.

Sucht dich nicht auf, beschwert dich nicht mit

Bitten. Ha! das wird weh tun, wenn wir nichts mehr bitten!

Denk, Arge, welch ein Leben auf dich wartet.

Wer wird nun zu dir gehn? wem wirst du schön sein?

Wen lieben? wessen Mädchen dich nun nennen?

Wen küssen? wem die Lippen wieder beißen?

Catullchen, aber du halt aus! sei standhaft!

Übertragung von Eduard Mörike.

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