Friedrich Schiller

Nänie

Auch das Schöne muß sterben! Das Menschen und Götter bezwinget,      Nicht die eherne Brust rührt es des stygischen Zeus. Einmal nur erweichte die Liebe den Schattenbeherrscher,      Und an der Schwelle noch, streng, rief er zurück sein Geschenk. Nicht stillt Aphrodite dem schönen Knaben die Wunde,      Die in den zierlichen Leib grausam der Eber geritzt. Nicht errettet den … Weiterlesen …

Friedrich Schiller

Punschlied

Vier Elemente Innig gesellt Bilden das Leben, Bauen die Welt. Preßt der Zitrone Saftigen Stern, Herb ist des Lebens Innerster Kern. Jetzt mit des Zuckers Linderndem Saft Zähmet die herbe Brennende Kraft. Gießet des Wassers Sprudelnden Schwall, Wasser umfänget Ruhig das All. Tropfen des Geistes Gießet hinein, Leben dem Leben Gibt er allein. Eh es verdüftet Schöpfet es schnell, Nur … Weiterlesen …

Friedrich Schiller

Reiterlied

Wohl auf, Kameraden, aufs Pferd, aufs Pferd! Ins Feld, in die Freiheit gezogen. Im Felde, da ist der Mann noch was wert, Da wird das Herz noch gewogen. Da tritt kein anderer für ihn ein, Auf sich selber steht er da ganz allein. Aus der Welt die Freiheit verschwunden ist, Man sieht nur Herren und Knechte, Die Falschheit herrschet, die … Weiterlesen …

Friedrich Schiller

Das Ideal und das Leben

Ewigklar und spiegelrein und eben Fließt das zephirleichte Leben Im Olymp den Seligen dahin. Monde wechseln und Geschlechter fliehen, Ihrer Götterjugend Rosen blühen Wandellos im ewigen Ruin. Zwischen Sinnenglück und Seelenfrieden Bleibt dem Menschen nur die bange Wahl; Auf der Stirn des hohen Uraniden Leuchtet ihr vermählter Strahl. Wollt ihr schon auf Erden Göttern gleichen, Frei sein in des Todes … Weiterlesen …

Friedrich Schiller

Das Glück

Selig, welchen die Götter, die gnädigen, vor der Geburt schon Liebten, welchen als Kind Venus im Arme gewiegt, Welchem Phöbus die Augen, die Lippen Hermes gelöset, Und das Siegel der Macht Zeus auf die Stirne gedrückt! Ein erhabenes Los, ein göttliches, ist ihm gefallen, Schon vor des Kampfes Beginn sind ihm die Schläfe bekränzt. Ihm ist, eh er es lebte, … Weiterlesen …

Friedrich Schiller

Breite und Tiefe

Es glänzen Viele in der Welt, Sie wissen von Allem zu sagen, Und wo was reizet und wo was gefällt, Man kann es bei ihnen erfragen; Man dächte, hört man sie reden laut, Sie hätten wirklich erobert die Braut. Doch gehn sie aus der Welt ganz still, Ihr Leben war verloren. Wer etwas Treffliches leisten will, Hätt‘ gern was Großes … Weiterlesen …

Friedrich Schiller

Rousseau

Monument von unsrer Zeiten Schande, Ew’ge Schmachschrift deiner Mutterlande, Rousseaus Grab, gegrüßet seist du mir! Fried‘ und Ruh‘ den Trümmern deines Lebens! Fried‘ und Ruhe suchtest du vergebens, Fried‘ und Ruhe fandst du hier! Wann wird doch die alte Wunde narben? Einst war’s finster, und die Weisen starben! Nun ist’s lichter, und der Weise stirbt. Sokrates ging unter durch Sophisten, … Weiterlesen …

Friedrich Schiller

Der Spaziergang

Sei mir gegrüßt, mein Berg mit dem rötlich strahlenden Gipfel! Sei mir Sonne gegrüßt, die ihn so lieblich bescheint! Dich auch grüß ich, belebte Flur, euch säuselnde Linden, Und den fröhlichen Chor, der auf den Ästen sich wiegt, Ruhige Bläue dich auch, die unermesslich sich ausgießt Um das braune Gebirg, über den grünenden Wald, Auch um mich, der endlich entflohn … Weiterlesen …

Friedrich Schiller

Die Kraniche des Ibykus

Zum Kampf der Wagen und Gesänge, Der auf Korinthus‘ Landesenge Der Griechen Stämme froh vereint, Zog Ibykus, der Götterfreund. Ihm schenkte des Gesanges Gabe, Der Lieder süßen Mund Apoll, So wandert‘ er, an leichtem Stabe, Aus Rhegium, des Gottes voll. Schon winkt auf hohem Bergesrücken Akrokorinth des Wandrers Blicken, Und in Poseidons Fichtenhain Tritt er mit frommem Schauder ein. Nichts … Weiterlesen …

Friedrich Schiller

Der Jüngling am Bache

An der Quelle saß der Knabe, Blumen wand er sich zum Kranz, Und er sah sie fortgerissen, Treiben in der Wellen Tanz. Und so fliehen meine Tage, Wie die Quelle, rastlos hin! Und so bleichet meine Jugend, Wie die Kränze schnell verblühn! Fraget nicht, warum ich traure In des Lebens Blüthezeit! Alles freuet sich und hoffet, Wenn der Frühling sich … Weiterlesen …