Gottfried Keller

Has von Überlingen

Es war der Has von Überlingen, Der scheut‘ den Märzen wie den Tod; Denn in die Glieder fühlt er dringen Mit ihm des Alters leise Not. Wann nun die Morgenlüfte wehten Nach letzten Hornungs Mitternacht Sah man ihn vor die Türe treten Wie einen Krieger auf die Wacht. Den Krebs geschnallt um Brust und Rücken, Auf grauem Kopf den Eisenhut, … Weiterlesen …

Gottfried Keller

Die Zeit geht nicht

Die Zeit geht nicht, sie stehet still, Wir ziehen durch sie hin; Sie ist ein Karavanserai, Wir sind die Pilger drin. Ein Etwas, form- und farbenlos, Das nur Gestalt gewinnt, Wo ihr drin auf und nieder taucht, Bis wieder ihr zerrinnt. Es blitzt ein Tropfen Morgentau Im Strahl des Sonnenlichts; Ein Tag kann eine Perle sein Und ein Jahrhundert nichts. … Weiterlesen …

Gottfried Keller

Scheiden und Meiden

Ja, das ist der alte Kirchhof, Der in blauer Flut sich spiegelt, Offen steht sein morsches Gitter, Niemand ist, der es verriegelt! Hier der kleine Berg voll Rosen Dicht und üppig aufgesprossen, Drunter liegt die weisse Lilie, Eine Sage schon, verschlossen Um die Sage, um ein Märchen, Um den Tod hab‘ ich geworben, Und so sei mein treues Hoffen Fürhin … Weiterlesen …

Gottfried Keller

Kleider machen Leute

Hinweis: Eine Inhaltsangabe der Novelle findet sich unter www.inhaltsangabe.de/keller/kleider-machen-leute/ An einem unfreundlichen Novembertage wanderte ein armes Schneiderlein auf der Landstraße nach Goldach, einer kleinen reichen Stadt, die nur wenige Stunden von Seldwyla entfernt ist. Der Schneider trug in seiner Tasche nichts als einen Fingerhut, welchen er, in Ermangelung irgendeiner Münze, unablässig zwischen den Fingern drehte, wenn er der Kälte wegen … Weiterlesen …