Textquellen.de » Catull » Nänie auf den Tod eines Sperlings
Catull

Nänie auf den Tod eines Sperlings

Weint, ihr Grazien und ihr Amoretten

Und was Artiges auf der Welt lebt! meines

Mädchens Sperling ist tot, des Mädchens Liebling,

Der ihr lieb wie der Apfel in den Augen,

Und so freundlich, so klug war und sie kannte,

Wie ein Töchterchen seine Mutter kennet;

Er entfernte sich nie von ihrem Schoße,

Sondern hüpfte nur hin und wieder, piepte,

Seiner Herrin das Köpfchen zugewendet. –

Ach! nun wandert er jene finstre Straße,

Die man ewiglich nicht zurücke wandert.

O! wie fluch ich dir, finstrer alter Orkus,

Der du alles, was schön ist, gleich hinabschlingst!

Uns den Sperling zu nehmen, der so hübsch war!

Welch ein Jammer! O Sperling, Unglückselger!

Hast gemacht, daß mein trautes Mädchen ihre

Lieben Äugelchen sich ganz rot geweint hat.

Übersetzung von Eduard Mörike.

Schreibe einen Kommentar