Archiv für Januar 2010
Nun ruhen alle Wälder, Vieh, Menschen, Städt’ und Felder, Es schläft die ganze Welt; Ihr aber, meine Sinnen, Auf, auf, ihr sollt beginnen, Was eurem Schöpfer wohlgefällt! Wo bist, du, Sonne, blieben? Die Nacht hat dich vertrieben, Die Nacht, des Tages Feind. Fahr hin! Ein’ andre Sonne, Mein Jesus, meine Wonne, Gar hell in meinem [...]
Autor(in): Paul Gerhardt
Vaterglückchen, Mutterschößchen, Kinderstübchen, trautes Heim, Knusperhexlein, Tante Rös’chen Kuchen schmeckt wie Fliegenleim. Wenn ich in die Stube speie Lacht mein Bruder wie ein Schwein Wenn er lacht, haut meine Schwester, Wenn sie haut, weint Mütterlein. Wenn die weint, muss Vater fluchen. Wenn er flucht, trinkt Tante Wein Trinkt sie Wein, schenk sie mir Kuchen: Wenn [...]
Autor(in): Joachim Ringelnatz
Was meint ihr wohl, was eure Eltern treiben, Wenn ihr schlafen gehen müsst? Und sie angeblich noch Briefe schreiben. Ich kann’s euch sagen: da wird geküsst, Geraucht, getanzt, gesoffen, gefressen, Da schleichen verdächtige Gäste herbei. Da wird jede Stufe der Unzucht durchmessen Bis zur Papagei-Sodomiterei. Da wird hasardiert um unsagbare Summen. Da dampft es von [...]
Autor(in): Joachim Ringelnatz
Der Ochse frißt das feine Gras Und läßt die groben Halme stehen; Der Bauer schreitet hintendrein Und fängt bedächtig an zu mähen. Und auf dem Stall zur Winterszeit, Wie wacker steht der Ochs zu kauen! Was er als grünes Gras verschmäht, Das muß er nun als Heu verdauen.
Autor(in): Theodor Storm
Es war der Has von Überlingen, Der scheut’ den Märzen wie den Tod; Denn in die Glieder fühlt er dringen Mit ihm des Alters leise Not. Wann nun die Morgenlüfte wehten Nach letzten Hornungs Mitternacht Sah man ihn vor die Türe treten Wie einen Krieger auf die Wacht. Den Krebs geschnallt um Brust und Rücken, [...]
Autor(in): Gottfried Keller
Die Zeit geht nicht, sie stehet still, Wir ziehen durch sie hin; Sie ist ein Karavanserai, Wir sind die Pilger drin. Ein Etwas, form- und farbenlos, Das nur Gestalt gewinnt, Wo ihr drin auf und nieder taucht, Bis wieder ihr zerrinnt. Es blitzt ein Tropfen Morgentau Im Strahl des Sonnenlichts; Ein Tag kann eine Perle [...]
Autor(in): Gottfried Keller
Ja, das ist der alte Kirchhof, Der in blauer Flut sich spiegelt, Offen steht sein morsches Gitter, Niemand ist, der es verriegelt! Hier der kleine Berg voll Rosen Dicht und üppig aufgesprossen, Drunter liegt die weisse Lilie, Eine Sage schon, verschlossen Um die Sage, um ein Märchen, Um den Tod hab’ ich geworben, Und so [...]
Autor(in): Gottfried Keller
Du kennst ja den Suffenus, Freund; er ist galant, Sehr artig, schwatzt mit vielem Witz und macht dabei Nicht wenig Verse: wo mir recht ist, hat er wohl Zehntausend oder mehr geschrieben; nicht wie sonst Gewöhnlich ist, auf kleinen Täfelchen: o nein! Sein Buch ist königlich Papier, der Umschlag neu, Neu sind die Stäbchen, rot [...]
Autor(in): Catull
Ordnunk sagte mein trefflicher Arrius, wenn sich’s um Ordnung Handelte: Hefeu, wo Efeu ein anderer sagt. Und er glaubte dir schön ganz über die Maßen zu reden, Wenn er sein Hefeu so recht grundaus der Lunge geholt. Sicherlich hatten Mama, Oheim, Groß-Mutter und -Vater (Diese von Mutter Seit’) eben die Sprache beliebt. Wie er nach [...]
Autor(in): Catull
Deine Augen, die süßen Lichter, wenn man Nach Gefallen mir die zu küssen gäbe, Hunderttausendmal küßt ich sie; doch wär ich Nun und nimmer es satt, und hätt ich ihnen Mehr als rauschender Ähren auf der Flur stehn, Dichte Saaten von Küssen abgeküsset. Übersetzung von Eduard Mörike.
Autor(in): Catull
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