Archiv für Januar 2010
Ihr Mund ist stets derselbe, Sein Kuß mir immer neu, Ihr Auge noch dasselbe, Sein freier Blick mir treu; O du liebes Einerlei, Wie wird aus dir so mancherlei!
Autor(in): Achim von Arnim
Sei mir gegrüßt, mein Berg mit dem rötlich strahlenden Gipfel! Sei mir Sonne gegrüßt, die ihn so lieblich bescheint! Dich auch grüß ich, belebte Flur, euch säuselnde Linden, Und den fröhlichen Chor, der auf den Ästen sich wiegt, Ruhige Bläue dich auch, die unermesslich sich ausgießt Um das braune Gebirg, über den grünenden Wald, Auch [...]
Autor(in): Friedrich Schiller
Im heitren Saal beim Kerzenlicht, Wenn alle Lippen sprühen Funken, Und gar vom Sonnenscheine trunken, Wenn jeder Finger Blumen bricht, Und vollends an geliebtem Munde, Wenn die Natur in Flammen schwimmt, – Das ist sie nicht die rechte Stunde, Die dir der Genius bestimmt. Doch wenn so Tag als Lust versank, Dann wirst du schon [...]
Autor(in): Annette von Droste-Hülshoff
Leugnen willst du Zaubertränke, Lachst mir höhnisch in die Zähne, Wenn Isoldens ich gedenke, Wenn Gudrunens ich erwähne? Und was deine kluge Amme In der Dämmrung dir vertraute, Von Schneewittchen und der Flamme, Die den Hexenschwaden braute; Alles will dir nicht genügen, Überweiser Mückensieber? Nun, so laß die Feder liegen, Schieb dich in den Zirkel, [...]
Autor(in): Annette von Droste-Hülshoff
I. Sacht pochet der Käfer im morschen Schrein, Der Mond steht über den Fichten. »Jesus Maria, wo mag sie sein! Hin will meine Angst mich richten. Helene, Helene, was ließ ich dich gehn Allein zur Stadt mit den Hunden, Du armes Kind, das sterbend mir Auf die Seele die Mutter gebunden!« Und wieder rennt Gertrude [...]
Autor(in): Annette von Droste-Hülshoff
Zum Kampf der Wagen und Gesänge, Der auf Korinthus’ Landesenge Der Griechen Stämme froh vereint, Zog Ibykus, der Götterfreund. Ihm schenkte des Gesanges Gabe, Der Lieder süßen Mund Apoll, So wandert’ er, an leichtem Stabe, Aus Rhegium, des Gottes voll. Schon winkt auf hohem Bergesrücken Akrokorinth des Wandrers Blicken, Und in Poseidons Fichtenhain Tritt er [...]
Autor(in): Friedrich Schiller
Wie der zitternde Verbannte Steht an seiner Heimat Grenzen, Rückwärts er das Antlitz wendet, Rückwärts seine Augen glänzen, Winde die hinüberstreichen, Vögel in der Luft beneidet, Schaudernd vor der kleinen Scholle, Die das Land vom Lande scheidet; Wie die Gräber seiner Toten, Seine Lebenden, die süßen, Alle stehn am Horizonte, Und er muß sie weinend [...]
Autor(in): Annette von Droste-Hülshoff
Gott Lob! Nun ist erschollen Das edle Fried- und Freudenwort, Daß nunmehr ruhen sollen Die Spieß und Schwerter und ihr Mord. Wohlauf und nimm nun wieder Dein Saitenspiel hervor, O Deutschland, und sing Lieder Im hohen vollen Chor. Erhebe dein Gemüte Zu deinem Gott und sprich: Herr, deine Gnad und Güte Bleibt dennoch ewiglich! Wir [...]
Autor(in): Paul Gerhardt
Gib dich zufrieden und sei stille In dem Gotte deines Lebens; In ihm ruht aller Freuden Fülle, Ohn ihn mühst du dich vergebens. Er ist dein Quell Und deine Sonne, Scheint täglich hell Zu deiner Wonne. Gib dich zufrieden! Er ist voll Lichtes, Trosts und Gnaden, Ungefärbten treuen Herzens; Wo er steht, tut dir keinen [...]
Autor(in): Paul Gerhardt
Nun laß uns gehn und treten Mit Singen und mit Beten Zum Herrn, der unserm Leben Bis hierher Kraft gegeben. Wir gehn dahin und wandern Von einem Jahr zum andern, Wir leben und gedeihen Vom alten bis zum neuen; Durch soviel Angst und Plagen, Durch Zittern und durch Zagen, Durch Krieg und große Schrecken, Die [...]
Autor(in): Paul Gerhardt
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