Archiv für Dezember 2009
Dass bald das neue Jahr beginnt, Spür ich nicht im geringsten. Ich merke nur: Die Zeit verrinnt Genauso wie zu Pfingsten, Genau wie jährlich tausendmal. Doch Volk will Griff und Daten. Ich höre Rührung, Suff, Skandal, Ich speise Hasenbraten. Mit Cumberland, und vis-à-vis Sitzt von den Krankenschwestern Die sinnlichste. Ich kenne sie Gut, wenn auch [...]
Autor(in): Joachim Ringelnatz
Ans Tor des Türmers hab’ ich heut gepocht mit lautem Rufen: »Komm, führe mich vor Mitternacht zum Turm hinauf die Stufen! Denn ein Gelüsten treibt mich heut, mit mächtig hallendem Geläut die Welt zu meinen Füßen zu grüßen.« Und an des Alten Seite stumm bin ich emporgestiegen. Tief lag die Erde schneeverhüllt, geruhig und verschwiegen. [...]
Autor(in): Otto Ernst
Habe ein heitres, fröhliches Herz Januar, Februar und März, Sei immer mit dabei In April und Mai, Kreische vor Lust In Juni, Juli, August, Habe Verehrer, Freunde und Lober In September und Oktober, Und bleibe meine gute Schwester bis zum Dezember und nächsten Silvester.
Autor(in): Theodor Fontane
Immer enger, leise, leise Ziehen sich die Lebenskreise, Schwindet hin, was prahlt und prunkt, Schwindet Hoffen, Hassen, Lieben, Und ist nichts in Sicht geblieben Als der letzte dunkle Punkt.
Autor(in): Theodor Fontane
Die Menschen kümmerten mich nicht viel, eigen war mein Weg und Ziel. Ich mied den Markt, ich mied den Schwarm, andre sind reich, ich bin arm. Andere regierten (regieren noch), ich stand unten und ging durch’s Joch. Entsagen und lächeln bei Demütigungen, das ist die Kunst, die mir gelungen. Und doch wär’s in die Wahl [...]
Autor(in): Theodor Fontane
Es steht in Quesels Hecke Ein Dornstrauch an der Ecke, Und stechen tut er auch. Ach, lieber Herr von Quesel, Steig ab von deinem Esel, Hau ab den Dornenstrauch. Herr Quesel hört die Klagen Vergnügten Angesichts. Er spricht mit Wohlbehagen: Ich spüre nichts! Es wächst die krause Wolle, Damit sie wärmen solle Dem Schäfchen aus [...]
Autor(in): Wilhelm Busch
Sind wir vereint zur guten Stunde Wir starker deutscher Männerchor, So dringt aus jedem frohen Munde Die Seele zum Gebet hervor: Denn wir sind hier in ernsten Dingen Mit hehrem, heiligem Gefühl; Drum muß die volle Brust erklingen Ein volles helles Saitenspiel. Wem soll der erste Dank erschallen? Dem Gott, der groß und wunderbar Aus [...]
Autor(in): Ernst Moritz Arndt
Cornificius! dein Catull ist elend; Elend ist er, beim Himmel! und voll Mißmut, Und das Übel wird täglich, stündlich ärger. Hast du wohl – und wie wenig wäre dieses! Ihm ein tröstliches Wörtchen zugeredet? Zürnen sollt ich. Ist dies für meine Liebe? Auch das mindeste Trostwort wäre Balsam. Der Simonides’ Tränen überträfe. Übertragung von Eduard [...]
Autor(in): Catull
Mein Aurel und Furius; ihr Gefährten Eures Freundes, ging er auch zu den fernsten Indern am Eoischen Meer, das fernher Brausend den Strand peitscht; Zum erhitzten Araber, dem Hyrkaner, Saker oder köcherbehangenen Parther Oder, wo der Nilus mit siebenfachem Strome das Meer färbt. Oder überstieg’ er die hohen Alpen, Cäsars Ehrenmäler, den Rhein zu sehen, [...]
Autor(in): Catull
Catullchen! armer Freund, werd endlich klüger, Und was zusehends hin ist, laß dahin sein! Wohl ehmals flossen dir die Tage heiter, Als du noch gingst, wohin das Mädchen winkte, Geliebt von uns, wie keine je geliebt ward. Da gab es mancherlei der Tändeleien, Die dir behagten, ihr nicht mißbehagten. Da, wahrlich! flossen dir die Tage [...]
Autor(in): Catull
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